Taubertal100

Eines vorweg:

Um keine Missverständnisse zu erzeugen: der Taubertal100 ist perfekt organisiert, alle sind super nett, auch die Einheimischen freuten sich über die verrückten Läufer.
Die Helfer an den VP’s und an den Straßenüberquerungen machten einen super Job und Ihnen gebührt ein großes Lob. An den VP´s herrschte stets gute Laune und wenn man mal nicht so gut aus sah dann wurden  „tröstende“ Worte gesprochen 😉

Sicherlich also ein schöner Lauf, aber leider nicht für mich. Gerne hätte ich mir das Buckle geholt aber das hat nicht sollen sein. Ich wusste natürlich worauf ich mich da einlasse. 160 bzw. 100 km Asphalt sind nicht ohne, vor allen wenn man lieber im Wald unterwegs ist.

04:00 Uhr Früh in der mittelfränkische Kleinstadt Rothenburg ob der Tauber, sanft weckt mich mein Wecker. Routiniert mache ich mich fertig, alles liegt parat, Dropbags sind gepackt, alles genau überlegt wann man was wo braucht. Ich mache mich auf den Weg zum Hotel Rappen wo sich eine illustre Läuferschar trifft um ein erneutes Laufabenteuer zu bestehen. Dem geneigten Teilnehmer stehen 4 Distanzen zur Verfügung: 50, 71, 100 und 160 km, also 100 Meilen. Eine Besonderheit: wer sich bei einer Unterdistanz entscheidet aufzuhören wird in der jeweiligen Distanz gewertet (aber man muß sich vorher entscheiden, nicht rückwirkend), das ganz geht natürlich auch als upgrade (zum Beispiel 71 statt 50).
Ich wollte die 100 Meilen laufen, einmal im Jahr, das ist mein persönliches Highlight.
Am Vorabend der Veranstaltung fand der CheckIn und das Briefing statt. Kerstin und Tim begleiteten mich natürlich. Überhaupt war ich auf die Hilfe von Kerstin angewiesen, sollte Sie mich doch später vom Ziel in Gmünden am Main abholen, so zumindest der Plan.
Nach dem Briefing fand die Kartoffelparty statt an welcher wir aber nicht teilgenommen haben, auch aus Kostengründen , muß doch schließlich alles extra bezahlt werden. Egal ob Finishershirt (welches mit 50€ satt zu Buche schlägt), Kartoffelparty, Transport oder Ritteressen, alles kostet. Manches davon kann ich nachvollziehen, einiges nicht.
Da wir aber noch nicht ins Bett wollten besorgten wir uns noch kurzfristig Eintrittskarten für den Vortrag von Michele Ufer und Florian Reus welcher uns sehr gut gefallen hat, auch wenn Michele sein Thema sicherlich nur anreißen konnte war es doch sehr informativ und auch Florian konnte überzeugen.

Gedankenverloren schleppe ich also meinen Laufrucksack, Zielgepäck und die 3 Dropbags durch die dunkle mittelalterliche Stadt, immer entlang der Stadtmauer und vergesse dabei das abbiegen durch das Würzburger Tor welches ich zum verlassen der Altstadt benutzen sollte. Ich laufe also einen kleinen Umweg, nicht schlimm aber mit den ganzen Gepäck kein Geschenk.
Die Abgabe des Gepäcks und der Dropbags geschieht schnell und ist gut durchdacht und so steht ich hier nun und warte das es losgeht. Etwas verwundert und irritiert bin ich von zwei rauchenden Teilnehmern, sieht man auch nicht so oft 😉
Hubert Beck, der Veranstalter des Taubertal100, hat alle Hände voll zu tun und bemüht sich das nun endlich die Fackeln verteilt werden damit wir unseren kurzen Fackellauf durch die Altstadt zum Start beginne können. Ein wirklich eindruckvolles Spektakel wenn ca. 250 Teilnehmer mit Fackeln (nicht jeder hatte eine, was auch nicht Sinnvoll wäre) durch die Stadt laufen.
Im Burggarten werden wir kurz von einen Ritter, hoch zu Roß, auf die Reise geschickt bevor wir uns auf den Abstieg runter zur Tauber, zum eigentlich Start machen. Bei epischer Musik und mit einen kleinen Feuerwerk bekommen wir um Punkt 06 Uhr das „Go“ und ab geht es ….
Die ersten Kilometer gehen flockig von der Hand. Die letzten Tage vor dem Lauf hab ich pausiert, was mir recht schwer fiel 🙂 Ich bin Fit, regeneriert und voller Tatendrang.
Wir laufen entlang der Tauber, auf Radwegen, durch verschlafene oder gerade erwachende Orte.
Irgendwann wurde es hell, wir laufen entlang der Tauber, auf Radwegen, durch Ortschaften und kleine Industrieviertel.

Bei KM 18 erreichen wir Creglingen. Hier stehen uns unsere Dropbags zur Verfügung. Perfekt organisiert bekommt jeder schnell sein Hab und Gut und man merkt, hier ist alles auf Geschwindigkeit getrimmt. Da die angebotene Verpflegung eh nicht so mein Fall ist (das bin ich anders gewöhnt) halte ich mich auch nicht lange damit auf. Lediglich Chiasamen nehme ich zu mir, Tee, Bier (alkfrei natürlich) und auch Iso finden den Weg in meinen Organismus. Den Rest schleppe ich mit mir rum: Nüße, Schokolade und Gel, welches ich mir alle 10 km reinpfeife.

Es folgen Radwege entlang der Tauber, geschäftige Ortschaften.
Bei KM 35 Weikersheim ein Höhepunkt, wir durchqueren das Schloss und den Barokgarten, wunderschön.

Und dann: Radwege, an der Tauber entlang, Ortschaften

KM 38,5, VP 08, ich bin ziemlich gefrustet. Das es kein Zuckerschlecken wird war mir klar aber die Monotonie des Radweges macht mich fertig. Am VP treffe ich auf Gerno, seines Zeichens Veranstalter des BiMa Ultramarathons aus Kleinalmerode. Wir hatten uns schon beim Briefing kurz gesprochen und daher wußte ich das er die 100 km Variante lief. Zusammen mit Gerno und einer netten jungen Blondine deren Namen ich nun leider nicht parat habe, liefen wir weiter. Das erste mal seit dem Start am frühen morgen vergingen nun die Kilometer wie im Fluge. Wir witzelten, fachsimpelten und schwiegen zuweilen und erreichten das erste Ultraziel bei km 50 in Bad Mergentheim gemeinsam (Gerno und ich, die Dame des Hauses löste irgendwann die Handbremse und zog von dannen 🙂 ).
Ich nutze die Gunst der Stunde und wechselte von lang auf kurz, da die Sonne nun endlich Kraft bekam. Durch die Umziehaktion verlor ich aber leider Gerno der schon wieder auf der Strecke war. Nach einigen Kilometern holte ich ihn aber wieder ein und ab nun sollte uns nichts mehr trennen.
Wir liefen weiter auf Radwegen, an Landstraßen entlang, durch Ortschaften und kleine Industriegebiete.
Irgendwo zwischen Kilometer 60 und 65 verfestigte sich der Gedanke an einen Ausstieg bei km 100. Der viele Asphalt war so gar nicht meins. Die Oberschenkel brannten als wäre ich stundenlang bergrunter gelaufen, die Fußzehen waren auch nicht mehr im Originalzustand, trotz Hoka aber am meisten nervte mich die Strecke als solche. Es ist als liefe man Stundenlang durch das Leinetal, mir nahestehende wissen sicher was ich meine. Das kann man mal machen aber man sollte es nicht übertreiben.
Ich verschob den Gedanken aber noch nach hinten und wartete noch ein Weilchen. Irgendwann aber mußte ich mich entscheiden, ich rief Kerstin in Rothenburg an und verabredete mich mit Ihr in Wertheim, mir wurde leichter bei dem Gedanken.
Gerno und ich hatten derweil, nach dem Zwischenziel bei km 71 in Tauberbischofsheim, Gesellschaft bekommen. Ein Bekannter von Gerno aus dem hohen Norden, der auch die 160 Meilen laufen wollte. Nach einigen weiteren Radwegkilometern rief ich Kerstin erneut an: „Alles gut, brauchst nicht kommen, ich zieh das jetzt durch“
Was für ein hin und her ….
Aber zu früh gefreut, die Kilometer zogen sich, wir wurden immer langsamer. Einen Kilometer laufen einen gehen, so ungefähr (ein wenig geschönt), dann die Überlegung erneut: Aussteigen ? Probieren ?
Mir fehlt die Lust, es macht mir keinen Spaß mehr. Wozu noch weitere 60 km durch die Nacht schlurfen auf einer Strecke die mich nervt ? Ich kann es schöner haben, ich muß mir nix beweisen. Klar könnte man jetzt sagen das ich das mit richtigen Willen hätte schaffen können. Ein Tritt in den Allerwertesten und weiter geht es … Mag sein, aber die Freude am Lauf war weg und jegliche Motivation dahin, einsetzender Mieselregen machte die Entscheidung leichter.
Erneut rief ich Kerstin an und bat um Evakuierung aus Wertheim.
Es wurde dunkel, aber ich war zu faul die Lampe für die letzten 3 km rauszufummeln. Wir hatten mal wieder nette weibliche Begleitung und als dreier Combo erreichten wir dann auch endlich das Ziel.
Endlich.
Wir ließen uns noch zum Ritter schlagen, ließen ein Bild von uns machen und dann kam auch schon Tim und Kerstin um die Ecke. Endlich.
Ich freute mich auf das warme Auto, den mittlerweile fror ich wie der Eismann.
Wir mußten noch einen Umweg über Gmünden tätigen, da dort ja mein Zielgepäck und meine Dropbags lagerten. Der Weg dorthin war auf Grund von Umleitungen auch eine kleine Herausforderung.
Gegen 24 Uhr war ich dann bereit die Augen zu schließen und froh über meine Entscheidung. Auch jetzt, nach einigen Tagen Abstand hat sich daran nichts geändert. Es gibt Dinge die kann man lassen.

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