Wesersteinultra

Es hat nicht sollen sein. 105 km sollten am Ende auf der Uhr stehen, das Ziel: der Weserstein in Hann. Münden laufend von Wehrstedt aus zu erreichen. Unter normalen Bedingungen sollte das ja auch eigentlich kein Problem sein.

Der Start am 20.07.24 war zunächst auf 04:00 Uhr morgens angesetzt. Da der Wetterbericht allerdings für Samstag neue Rekord Temperaturen versprach starten wir eine Stunde früher um 03:00 Uhr.

Leonhard war pünktlich vor Ort und mit dem letzten Glockenschlag der Kirchturmuhr ging es los. Die Temperaturen waren ein Traum, so hätte es bleiben können. Aber der große Planet hatte andere Pläne und die Sonne tat alles damit wir nicht frieren mussten.

Über Bodenburg ging es zunächst nach Evensen und von dort durch das Vorholz in Richtung Winzenburg. Hier war es dann bereits auch schon fast hell und auf dem Kammweg in Richtung Bad Gandersheim schimmerte die Sonne forsch durch das Blätterdach. Der Bewuchs, gerade auf dem Kammweg, war sehr erfrischend und vor allen reichlich vorhanden.

In Kreiensen hatten wir nach ca. 28 km unseren ersten VP in einer Bäckerei. An der Burg Greene vorbei liefen wir dann nach Einbeck (ca. km 39) wo wir uns erneut in einen Supermarkt verpflegen konnten. Leonhard hatte Probleme und so mussten wir immer mal wieder längere Gehpausen einlegen. Das machte uns natürlich immer langsamer und die Sonne hatte viel Zeit unser Hirn zu braten während wir durch die Felder ohne Schatten zum nächsten Wald liefen/gingen. Das Waldstück zwischen Rotenkirchen und Fredelsloh brachten zwar den ersehnten Schatten aber auch Steigungen die es in sich hatten und so wurde auch hier viel gegangen.

Die Abstände unser Vps waren ohnehin sehr groß, von 12 bis 30 km war alles dabei und durch das langsamere Vorwärts kommen hatten wir irgendwann Probleme uns mit Wasser zu versorgen. Friedhöfe mussten nun herhalten, aber das trinken an den Wasserstellen ist mir Vorsicht zu genießen. In einen Wohngebiet bei Nienhagen sprachen wir in größter Not einen jungen Mann an der gerade im Garten zu schaffen war und er versorgte uns mit reichlich Wasser so das wir uns bis km 64 nach Hardegsen durchschlagen konnten. Hier hatten wir wieder einen Supermarkt um unsere Vorräte aufzufüllen.

Die nächste Station war Adelebsen bei km 78. Leons Verfassung wurde nicht besser und ein erstes Mal schlug ich vor das uns Kerstin evakuieren könnte (Sie war mit einer Freundin in Göttingen und wollte uns dann in Hann. Münden abholen). Aber Leon wollte nicht aufgeben und kämpfte sich weiter durch. Bei mir war bis dahin noch alles gut, klar war auch ich angeschlagen aber laufen war kein Problem. Nach 83 km erreichten wir Eberhausen und Leon wollte erneut auf einen Friedhof sein Wasser auffüllen. Eine nette Dame die dort gerade am Blumen gießen war schlug vor das wir mit zu Evi kommen (100 m vor dem Friedhof), die gibt uns was vernünftiges zu trinken, meinte Sie.

Es war ein Traum. Evi öffnete Ihren Kühlschrank für uns und wir saßen mit zwei Wildfremden Frauen in einen verwunschenen Dörfchen am Rande der Welt. Es war herrlich. Hier hätten wir sitzen bleiben können. Aber auch das beste Alkoholfreie Weizen ist irgendwann getrunken und es muss weiter gehen. Evi bot uns noch an uns ein Stück mit dem Auto zu bringen aber wir lehnten danken ab (FEHLER) da wir sonst ja disqualifiziert werden würden.

Die nächsten gut 25 km hatten wir keine Verpflegung zu erwarten und die Zeit und die Distanz arbeiteten gegen uns. Es ging nur schleppend weiter, nun aber nicht nur wegen Leon sondern auch mir hatte es plötzlich den Stecker gezogen. Die Kraft war vollkommen weg und übel wurde mir auch. Der Gedanken die letzten 15 km in 2,5 bis 3 Stunden zu wandern, war ein Horror und machte keinen Sinn. Wir schleppten uns noch bis zur Kirche nach Bühren bei km 93,5 und dann rief ich den Telefonjoker in Hann. Münden an und bat um Erlösung.

Es war in der Summe einfach zu wenig Verpflegung bzw. Wasser für diese Temperaturen vorhanden und das langsame Voran kommen machte die Sache auch nicht besser. Sicherlich hätten wir es auch irgendwie bis zum Weserstein geschafft, aber zu welchen Preis und warum ?

Alles in allen war es aber ein schöner Tag mit Leonhard. Die Strecke war ein toller Mix aus erstaunlich viel Trail, Schotterwegen und Asphalt. Obwohl es nur um die 1800 hm sein sollten, hatten wir aber das Gefühl ständig Bergauf zu laufen, das mag aber lediglich unser Empfinden gewesen sein.

Wir bedanken uns nochmal in aller Form bei Evi und Ihrer unbenannten Freundin für die tolle Verpflegung in Ebershausen und natürlich auch bei den jungen Mann bei Nienhagen.

Danke auch an Kerstin und Bettina die immer unseren Wahnsinn mittragen und uns am Ende abgeholt haben.

Viele Bilder habe ich nicht mitgebracht aber ein kleines kurzes Video ist dabei rausgesprungen.

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