Watzmann Querung 2.0

Manche Ziele lassen einen einfach nicht los. Mit der Watzmann-Überschreitung hatten wir noch eine Rechnung offen – und die wollten wir unbedingt begleichen.

Der treue Leser wird sich vielleicht erinnern: Bereits im August 2025 hatten wir den Versuch unternommen, die berühmte Watzmann-Überschreitung zu bewältigen. Doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Am Hocheck mussten wir die Tour schweren Herzens abbrechen und umkehren. Sicherheit geht in den Bergen schließlich immer vor (siehe HIER).

Aufgeschoben ist jedoch nicht aufgehoben. Also fassten wir den Entschluss, zurückzukehren und das nachzuholen, was uns beim ersten Anlauf verwehrt geblieben war.

Endlich war es so weit: Am letzten Samstag im Juli, dem 25. Juli 2026, sollte der zweite Anlauf gelingen. Die Vorfreude war entsprechend groß. Bereits am Donnerstagabend waren die Kinder in Wehrstedt angekommen. Am Freitagmorgen kurz vor 6:00 Uhr machten wir uns zunächst auf den Weg nach Hildesheim, um Matze abzuholen.

Anschließend lagen viele Stunden auf der Autobahn vor uns. Unser Ziel war Bad Reichenhall, wo wir über Airbnb eine Unterkunft für zwei Nächte gemietet hatten.

Nils, Tim, Matze und ich

Die Nacht fiel entsprechend kurz aus: Bereits um 1:00 Uhr riss uns der Wecker wieder aus dem Schlaf. Nach einem kleinen Frühstück und den letzten Vorbereitungen fuhren wir nach Ramsau. Um 2:20 Uhr starteten wir schließlich an der Wimbachbrücke – mit Stirnlampen, voller Vorfreude und dem festen Ziel, die Watzmann-Überschreitung diesmal erfolgreich zu meistern.

Der Weg zum Watzmannhaus kennt nur eine Richtung: nach oben. Nach gut zweieinhalb Stunden erreichten wir die Hütte, ließen sie jedoch links liegen und setzten unseren Aufstieg ohne längere Pause fort. Unser erstes Etappenziel war das Hocheck auf 2.651 Metern, das wir nach knapp fünf Stunden erreichten.

Kurz vor dem Gipfel legten wir unsere Klettergurte an und setzten die Helme auf. Bis zum Hocheck ist die Tour „nur“ eine anspruchsvolle Bergwanderung. Ab hier beginnt jedoch der eigentliche Ernst der Watzmann-Überschreitung: Bis zur Südspitze – und noch ein gutes Stück weiter hinunter ins Wimbachgries – ist der Weg geprägt von Kletterei und ausgesetzten Passagen.

Am ersten Stahlseil nach dem Hocheck klinkte ich das Klettersteigset noch ganz vorschriftsmäßig ein. Schnell merkte ich jedoch, dass dies auf weiten Teilen der Strecke gar nicht notwendig war. Im weiteren Verlauf nutzte ich das Set nur noch ein einziges Mal – und selbst dort wäre es vermutlich nicht zwingend erforderlich gewesen. Dennoch gilt: Wer die Überschreitung über Mittel- und Südspitze in Angriff nimmt, sollte unbedingt trittsicher, schwindelfrei und körperlich fit sein. Noch wichtiger  ist aus meiner Sicht jedoch eine gute Kondition. Die wird spätestens beim langen und kräftezehrenden Abstieg zur entscheidenden Voraussetzung.

Doch so weit waren wir noch nicht. Der Abschnitt vom Hocheck zur Mittelspitze, die wir gut 40 Minuten später erreichten, verging wie im Flug. Alles fühlte sich leicht an. Die beeindruckende Aussicht, das perfekte Wetter und die gute Stimmung unter den Bergsteigern machten diesen Teil der Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Mit der Südspitze begann schließlich der Abstieg – und damit ein Abschnitt der Tour, den ich mir im Vorfeld ehrlich gesagt etwas einfacher vorgestellt hatte. Zwar war mir bewusst, dass der Abstieg keinesfalls zu unterschätzen ist, doch erst jetzt wurde mir klar, wie fordernd er tatsächlich werden würde.

Zunächst folgten erneut einige anspruchsvolle Kletterpassagen, die volle Konzentration verlangten. Wie lange wir dafür brauchten, kann ich im Nachhinein gar nicht mehr sagen. Irgendwann verlor ich jedes Gefühl für Zeit und Distanz. Schritt für Schritt arbeiteten wir uns bergab, immer mit dem Fokus auf den nächsten sicheren Tritt.

Nach den Kletterpassagen wechselte das Gelände in steile Schotterfelder und rutschige Pfade. Gerade hier zeigte sich, wie wichtig trockenes Wetter für eine sichere Überschreitung ist. Unweigerlich musste ich an unseren ersten Versuch im vergangenen Jahr denken. Bei Nebel und nassem Untergrund hätte ich diesen Abschnitt auf keinen Fall gehen wollen. Rückblickend war unsere Entscheidung zur Umkehr damals genau die richtige.

Irgendwann hatten wir den schwierigsten Teil der Tour schließlich hinter uns. Endlich erreichten wir den Wimbachgries und wenig später die Wimbachgrieshütte – nach gut zwölf Stunden Gesamtzeit. Erst dort wurde uns bewusst, wie viel Zeit der Abstieg tatsächlich in Anspruch genommen hatte. Fast fünf Stunden waren seit der Südspitze vergangen. Kaum zu glauben.

In der Wimbachgrieshütte gönnten wir uns zunächst eine ausgiebige Stärkung und legten eine gute Stunde Pause ein. Die größten Schwierigkeiten lagen zwar hinter uns, doch die Tour war noch längst nicht beendet. Der finale Abschnitt wartete noch.

Irgendwie war ich davon ausgegangen, dass die letzten Kilometer nun schnell erledigt wären. Doch auch dieser Teil zog sich länger hin als erwartet. Noch einmal waren fast zwei Stunden nötig, bis wir schließlich wieder die Wimbachbrücke erreichten.


Nach rund 15 Stunden standen wir wieder an unserem Ausgangspunkt. Müde, erschöpft und mit schweren Beinen – aber überglücklich. Die Rechnung mit dem Watzmann war endlich beglichen. Der zweite Anlauf war erfolgreich, und die Watzmann-Überschreitung wird für uns als eine der beeindruckendsten und zugleich anspruchsvollsten Bergtouren in Erinnerung bleiben.

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